Endress+Hauser überschreitet erstmals die Vier-Milliarden-Euro-Marke
Endress+Hauser hat 2025 erstmals mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erzielt. Dazu trug die Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechnik von SICK entscheidend bei. Trotz starker Wechselkursbelastungen und verhaltener Investitionsneigung in der Chemieindustrie blieb das Familienunternehmen profitabel und investierte rekordhohe 370,8 Mio. EUR.
Endress+Hauser Bilanz 2025

Endress+Hauser hat im Geschäftsjahr 2025 einen Nettoumsatz von 4,01 Mrd. EUR erwirtschaftet – ein Plus von 7,2% gegenüber dem Vorjahr. Damit überschritt die Schweizer Firmengruppe erstmals die Vier-Milliarden-Euro-Schwelle. Das organische Wachstum – bereinigt um Wechselkurs- und Akquisitionseffekte – lag bei 2,6%, wie CFO Dr. Luc Schultheiss auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel mitteilte. Negative Währungseinflüsse kosteten das Unternehmen rund 3,3 Prozentpunkte Umsatzwachstum.
„Wir haben 2025 alles getan, um kurzfristige Herausforderungen zu meistern und langfristigen Erfolg zu ermöglichen", sagte CEO Dr. Peter Selders. „Wir sind hinter unseren Zielen geblieben, haben aber unter den gegebenen Umständen das Beste für Endress+Hauser erreicht."
Gasmesstechnik von SICK als Wachstumstreiber

Wesentlichen Anteil am Umsatzanstieg hatte die strategische Partnerschaft mit dem deutschen Sensorhersteller SICK, die Anfang 2025 wirksam wurde. In 46 Ländern gingen Vertrieb und Service der Gasanalyse- und Gasmesstechnik auf Endress+Hauser über; ein gemeinsames Joint Venture verantwortet Produktion und Entwicklung der Geräte. Mehr als 800 Vertriebs- und Servicekräfte wechselten im Zuge dessen zur Firmengruppe. Weiteren Rückenwind lieferte der Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz: Kühlsysteme und Energieversorgung dieser Anlagen erzeugen eine hohe Nachfrage nach Messtechnik.
Regional entwickelten sich Nord- und Südamerika am stärksten mit einem Umsatzplus von 10,1%; die USA bleiben der umsatzstärkste Markt. Europa wuchs um 11,6%, während in Deutschland und der Schweiz die Erlöse zurückgingen. In der Region Asien/Pazifik verzeichnete das Unternehmen ein Minus von 1,4%, bedingt vor allem durch die Schwäche des chinesischen Marktes.
Rekordinvestition und stabile Ertragslage
Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf 321,3 Mio. EUR, was einer Umsatzrendite von 10,7% entspricht. Schultheiss verwies auf die Belastungen durch den starken Euro und Schweizer Franken sowie auf einmalige Kosten aus der SICK-Übernahme. Gleichzeitig investierte Endress+Hauser rekordhohe 370,8 Mio. EUR in Gebäude, Anlagen, IT und Software – darunter neue Fertigungs- und Entwicklungsgebäude in Waldheim und Nesselwang. In den vergangenen fünf Jahren summieren sich die Investitionen auf 1,4 Mrd. EUR. „Unsere gesunde finanzielle Lage ermöglicht uns, diese Summen aus selbst erarbeiteten Mitteln aufzubringen", sagte Schultheiss.
Für Forschung und Entwicklung wendete die Gruppe 281,4 Mio. EUR auf, entsprechend 7,0% des Umsatzes. 41 neue Produkte wurden 2025 auf den Markt gebracht; 294 Patente wurden erstmals angemeldet. „Innovation ist ein Motor unseres Wachstums", betonte Selders.
Führungswechsel und Generationswechsel in der Familie

Im Executive Board vollzieht sich ein umfassender Wechsel: COO Dr. Andreas Mayr, CIO Pieter de Koning und CFO Schultheiss übergeben in den kommenden Monaten altersbedingt ihre Positionen. Bereits besetzt sind die Rollen des Chief Technology Officer mit Dr. Mirko Lehmann, der COO-Position mit Prof. Dr. Katja Windt sowie die des Chief Human Resources Officer mit Helena Svensson. Christian Mäder wird im Juli 2025 als neuer CFO zu Endress+Hauser stoßen.
Auch im Verwaltungsrat gibt es einen Generationswechsel: Steven Endress, Enkel des Firmengründers, übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrats. Er folgt auf Matthias Altendorf. „Die Familie ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Unternehmens", sagte Steven Endress. Im Familienrat übernimmt Sandra Genge, ebenfalls Enkelin des Gründers, die stellvertretende Vorsitzende und gilt als designierte Nachfolgerin von Dr. h. c. Klaus Endress, der seinen Rückzug für 2027 angekündigt hat.
Ausblick 2026

Für das laufende Jahr erwartet Endress+Hauser ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und plant, 250 neue Stellen zu schaffen. Selders mahnte jedoch zur Vorsicht: „Wir werden uns auf das fokussieren, was uns auch in der Vergangenheit stark gemacht hat: nahe an Markt und Kunden bleiben, zuverlässig und in hoher Qualität liefern, unser Netzwerk und Portfolio ausbauen, neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Unser Ziel bleibt Wachstum."















