Hohe Energiepreise und Bürokratie belasten den Chemie- und Pharmastandort Deutschland – das zeigt eine aktuelle Umfrage von VAA und Dechema unter Fach- und Führungskräften der Branche. Die Iran-Krise verschärft die Lage zusätzlich. Verbesserungen gibt es lediglich bei Infrastruktur und Fachkräfteverfügbarkeit.
Eine gemeinsame Umfrage zeigt: Das industriepolitische Umfeld der Chemie- und Pharmabranche hat sich kaum verbessert
Fach- und Führungskräfte der deutschen Chemie- und Pharmabranche sind erneut unzufrieden mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der VAA – Führungskräfte Chemie und die Dechema zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 unter ihren Mitgliedern durchgeführt haben. Befragt wurden Beschäftigte in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie.
Unter 18 abgefragten Standortfaktoren belegen Energiepreise den ersten Platz der größten Belastungen – gefolgt von Bürokratie als Hemmnis für Wachstum und Innovation. Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit denen der Vorjahresumfrage. „Industriepolitisch ist ein Jahr verloren gegangen", sagt Christoph Gürtler, 2. Vorsitzender des VAA und Aufsichtsratsmitglied bei Covestro. „Wir laufen Gefahr, hochqualifizierte, für die deutsche Resilienz wichtige Arbeitsplätze in Deutschland nicht mehr sichern zu können. Daher brauchen wir endlich eine Standort- und Wirtschaftspolitik, die nicht weiter kleckert, sondern klotzt."
Iran-Krise belastet energieintensive Industrie zusätzlich
Nach dem Erhebungszeitraum hat die Iran-Krise die Lage weiter verschärft. Die stark gestiegenen Energiepreise treffen die energieintensive Chemieindustrie besonders hart. Das DIW Berlin hat bereits auf eine moderate Belastung des deutschen Wirtschaftswachstums hingewiesen. Stephan Gilow, Hauptgeschäftsführer des VAA, fordert konkrete Maßnahmen: „Wir müssen die Energiepreisbelastung verringern, Halbmaßnahmen reichen nicht mehr! Die Ausweitung des Industriestrompreises auf 80 Prozent oder steuerliche Sonderabschreibungen wären das dringend benötigte Zeichen für unseren Standort."
Infrastruktur und Fachkräfteverfügbarkeit leicht verbessert
Die Umfrage zeigt auch Lichtblicke: Verglichen mit dem Vorjahr verbessert haben sich die Bewertungen für Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften. Produktionsinfrastruktur und Ausbildungsniveau der Fachkräfte wurden erneut positiv bewertet. Im internationalen Vergleich sehen fast 60% der Befragten die MINT-Ausbildung als sehr gut oder eher gut an – die Erneuerungsfähigkeit des Standorts bewerten hingegen nur 14% positiv.
„Unsere größte Stärke sind die exzellent ausgebildeten und kreativen Köpfe in unserem Land. In ihnen steckt die Innovationskraft, die wir für die Erneuerung des Standorts brauchen. Damit sie sich entfalten kann, müssen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, Dechema-Geschäftsführer Dr. Andreas Förster erklärt: „Die Umfrage ist deshalb kein Grund zur Resignation, sondern ein klarer Auftrag: Jetzt gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit technologische Lösungen entstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern. Darin liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.“












