Rohstoffknappheit, Lieferkettenrisiken und Klimaschutzziele verändern die Chemieindustrie grundlegend. Kreislaufwirtschaft wird dabei zur systemischen Voraussetzung – nicht zum Nachtrag. Biomasse, recycelter Kohlenstoff und CO₂ als alternative Quellen, Design for Circularity von Anfang an, Recycling kritischer Rohstoffe wie Iridium und Platin für Elektrolyseure: Dechema-Studien zeigen Transformationspfade auf, die technische Machbarkeit mit Rohstoffresilienz verbinden.
Autorin: Dr. Kathrin Rübberdt, Dechema
Biomasse, CO₂ und Kunststoffrecycling als Kohlenstoffquellen – wie die Chemieindustrie fossile Rohstoffe ersetzt, kritische Rohstoffe sichert und Lieferkettenrisiken reduziert.
Nachhaltigkeit und Klimaschutz – das waren bisher die Haupttreiber vieler Transformationsprozesse in der Chemie. Jetzt gesellt sich ein weiterer hinzu: Resilienz und eine stärkere Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten sprechen zusätzlich dafür, fossile Prozesse zu ersetzen. Kreislaufwirtschaft wird damit vom „End-of-pipe-Recycling“ zur systemischen Voraussetzung für die Energie- und Rohstoffwende.
Ölpreisschock hier, Zölle dort und jeden Tag eine neue Schreckensbotschaft; wer kann sich da auf strategische Ziele und langfristige Prozesse konzentrieren? Die zunehmende Unsicherheit hat in der Industrie zu erheblicher Unruhe geführt und vermeintliche Gewissheiten ins Wanken gebracht.
Doch Schockstarre ist kein Ausweg. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren schon große Schritte auf dem Weg zu Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit gemacht und die Leitplanken für die weitere Entwicklung gesetzt. Zu den bisherigen Argumenten, diese Strategie fortzusetzen, kommt jetzt noch ein gewichtiges hinzu: Die volatilen Rohstoffpreise und die Angst vor Lieferengpässen, aber auch die globalen Veränderungen und die Tendenz, Handelspolitik als Druckmittel einzusetzen, zeigen, dass eine größere strategische Unabhängigkeit dringend geboten ist.
Viele der neuen Technologien wie die Wasserstoffwirtschaft, die Herstellung synthetischer Kraftstoffe oder die Abkehr von fossilen Rohstoffen stehen an der Schwelle der Skalierung. Die Grundsteine für die Transformation sind an vielen Stellen gelegt. Jetzt gilt es, diese Einzelteile zusammenzufügen und systemische Transformationspfade zu entwickeln, in denen Kohlenstoffquellen, Rohstoffkritikalität, Infrastrukturen, Design-for-Circularity und Finanzierungslogiken zusammengedacht werden. Um auch während der Transformation global wettbewerbsfähig zu bleiben, darf Transformation nicht als „Greenfield-Neubau“ gedacht werden, sondern als retrofitfähige Pfadstrategie (Drop-in, Co-Processing, Mischpfade, schrittweise Substitution).
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