03.06.2026 • Praxisberichte

Warum EPC-Projekte scheitern – die unterschätzte Rolle der Angebotsphase

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Im EPC-Anlagenbau entscheidet sich der Projekterfolg nicht auf der Baustelle, sondern in der Angebotsphase. Unklare Leistungsbeschreibungen erzeugen Interpretationsspielräume, die zu Terminverzug, Nachträgen und Verlustprojekten führen – ein vermeidbares Risiko mit weitreichenden Folgen.

Autor: Frank Adamczyk, stellv. Leiter FB Chemie, Brandschutz, Verfahrenstechnik, Haus der Technik

Die Ursache liegt oft in einem Punkt: Die tatsächlich geschuldeten Leistungen sind gar nicht oder nicht klar genug definiert. Ist der Leistungsumfang unklar, entstehen zwangsläufig Spielräume für Interpretationen. Die Folgen sind Terminverzug, Mehrkosten und Nachträge. Das passiert besonders häufig, wenn Anbieter oder Nachunternehmer nicht genau wissen, welche konkreten Leistungen sie erbringen müssen. Ein Angebot ist deshalb weit mehr als eine reine Preisermittlung. Es definiert den geschuldeten Leistungsumfang, technische Abgrenzungen, Schnittstellen, Terminprämissen und Annahmen der Kalkulation. Je präziser und widerspruchsfreier diese Punkte formuliert sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit späterer Auslegungsstreitigkeiten.
Der EPC-Projektvertrag (Engineering, Procurement, Construction) lässt sich bildlich mit einem Gemälde vergleichen: Die rechtlichen und kaufmännischen Vertragsbedingungen bilden den Rahmen. Die technischen Spezifikationen und Leistungsbeschreibungen sind das eigentliche Bild. Ist das Bild unscharf oder unvollständig, hilft auch der stabilste Rahmen nicht weiter.
Im EPC-Geschäft vergibt man Bau- und Montagearbeiten oft an Nachunternehmer. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen im Großanlagenbau: Der EPC-Kontraktor muss Bau- und Montageleistungen präzise und vollständig beschreiben. Gerade in diesem Bereichen entstehen erfahrungsgemäß die größten wirtschaftlichen Verluste.
Eine präzise, widerspruchsfreie und gewerkeübergreifend abgestimmte Bau- und Montagebeschreibung ist daher kein administrativer Formalismus, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument für den wirtschaftlichen Erfolg eines EPC-Projekts. Denn entscheidend ist:
Nicht das, was gemeint war, ist geschuldet – sondern das, was eindeutig beschrieben wurde.
Wer diese Regel bereits in der Angebots­phase konsequent anwendet, legt den Grundstein für eine stabile und wirtschaftlich erfolgreiche Projektabwicklung.

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