Warum sinkende Ausbildungszahlen kein Nachwuchsproblem bedeuten müssen
Die Ausbildungszahlen in der Chemieindustrie sinken – doch Jens Becker, CFO von Levaco Chemicals, sieht darin kein pauschales Krisensignal. Im Interview erklärt er, warum Digitalisierung und Automatisierung das Anforderungsprofil verschieben, weshalb Levaco auf bedarfsorientierte statt mengenbezogene Ausbildungsplanung setzt – und was Unternehmen, Politik und Schulen leisten müssen, damit Berufsausbildung gegenüber dem Studium an Attraktivität gewinnt.
Levaco-CFO Jens Becker über bedarfsorientierte Ausbildung in der Spezialchemie als strategischen Erfolgsfaktor

Die Ausbildungszahlen in der Chemieindustrie gehen zurück – viele sehen darin ein Alarmsignal. Teilen Sie diese Sorge?
Natürlich müssen uns rückläufige Ausbildungszahlen aufmerksam machen. Aber ich halte wenig davon, sie pauschal als Krisensignal zu deuten. Wir sollten genauer hinschauen, was hinter diesen Zahlen steckt. Ein Teil des Rückgangs ist konjunkturell bedingt: Die chemische Industrie durchläuft gerade eine schwierige Phase, und das schlägt sich naturgemäß auch auf Ausbildungskapazitäten nieder. Ein anderer Teil ist aber struktureller Natur – und der ist aus meiner Sicht weit weniger dramatisch, als er auf den ersten Blick erscheint. Weniger Ausbildungsplätze bedeuten nicht automatisch weniger Nachwuchs oder geringere Qualität. Entscheidend ist, ob wir die richtigen Menschen mit den richtigen Kompetenzen gewinnen und langfristig halten.
Inhalt:
- Levaco-CFO Jens Becker über bedarfsorientierte Ausbildung in der Spezialchemie als strategischen Erfolgsfaktor
- Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptursachen für diesen Rückgang – demografischer Wandel, veränderte Bewerberprofile oder strukturelle Veränderungen in der Branche?
- Digitalisierung und Prozessoptimierung verändern viele Tätigkeiten. Wie wirken sich diese Entwicklungen konkret auf Ausbildungsberufe aus?
- Auch bei Levaco sind die Zahlen rückläufig. Warum setzen Sie nicht auf „Ausbildung auf Vorrat", sondern auf eine bedarfsorientierte Planung?
- Wie trägt eine bedarfsorientierte Ausbildung dazu bei, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben – gerade unter dem Druck von Fachkräftemangel und globaler Konkurrenz
- Bedeutet Ihre Strategie eher Verzicht – oder eine qualitative Neuausrichtung der Nachwuchsentwicklung?
- Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Rolle der Ausbildung in der Chemiebranche in den nächsten 5–10 Jahren entwickeln?
- Welche Veränderungen sind aus Ihrer Sicht notwendig, damit Ausbildung sowohl besser auf aktuelle Qualifikationsbedarfe abgestimmt ist als auch gegenüber einem Studium wieder an Attraktivität gewinnt?
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