20.01.2026 • Praxisberichte

Industrie 2026: Acht Trends für Produktion und Wartung

Die Industrie steht 2026 vor entscheidenden Veränderungen. Vernetzte Arbeitskräfte, KI-Assistenten und Augmented Reality rücken in den Fokus. Unternehmen müssen nicht nur Technologien implementieren, sondern auch Kompetenzen aufbauen und den Umgang mit KI regeln. Acht zentrale Trends zeigen, wohin die Reise geht.

Industriearbeit 2026: Was sich verändert

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Immer mehr Anwendungsfelder werden mit unternehmensspezifischen KI-Agenten ausgestattet.
© Augmentir

Analysten und Experten erwarten für 2026 eine positive Entwicklung: Das Bruttoinlandsprodukt soll um 0,9 % steigen, die Standortstimmung in Deutschland hellt sich auf. Unternehmen setzen verstärkt auf Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), um Produktivität und Effizienz zu steigern. Acht Trends zeichnen sich ab.

1. Vernetzung von Industrie-Arbeitskräften wird Mainstream 
Weltweit investiert eine steigende Anzahl der produzierenden Unternehmen in die digitale Unterstützung ihrer Frontline-Workforce: Sie stellen ihnen Standard Operating Procedures, Anleitungen und Checklisten auf mobilen Endgeräten bereit. „Immer mehr Firmen erkennen, dass auch in der Fabrikhalle papierbasierte Prozesse ausgedient haben. Sie sind zu langsam und liefern kaum verwertbare Daten“, erklärt Russ Fadel, Co-Founder und CEO von Augmentir. Entsprechend wächst der globale Markt für Connected-Worker-Lösungen stabil im hohen zweistelligen Prozentbereich pro Jahr. Schließlich liegt hier ein Schlüssel für mehr Produktivität, Arbeitssicherheit und Qualität.

2. Individuelle Förderung rückt ins Zentrum der Digitalisierung
Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die unterschiedlichen Arbeitnehmer-Bedürfnisse im Job: 2022 gingen noch 51 Prozent der Unternehmen davon aus, dass Industrie 4.0 auch gering qualifizierte Mitarbeitende für komplexe Tätigkeiten befähigt. 2025 waren es nur noch 44 Prozent. Das zeigt die Bitkom-Studie „Industrie 4.0“ aus diesem Jahr. Dadurch wird klar: Die technische Vernetzung allein reicht nicht. Um so effizient und sicher wie möglich zu arbeiten, muss das Personal in der vernetzten Fabrik individuell unterstützt werden, abgestimmt auf persönliche Kenntnisse und Fähigkeiten. 2026 rückt daher das Individuum in den Fokus. Genau hier setzen Systeme an, die auf einem integrierten Skill Management basieren und dadurch für jede anstehende Aufgabe situationsangepasste Unterstützung bieten.

3. KI-Assistenten müssen sich beweisen
2026 wird für viele Pilotprojekte zum entscheidenden Jahr: Können sie ihren bisherigen Erfolg in den breiten Einsatz überführen? Das gilt besonders für digitale Assistenten, die operative Teams im Alltag unterstützen sollen. Sie übernehmen Routineaufgaben, dokumentieren Abläufe korrekt und halten Prozesse nachvollziehbar. Ihr Ziel: Ausfälle und Stillstände reduzieren, Wartungsprobleme früher erkennen und die Produktivität messbar steigern. Erste Praxisbeispiele zeigen, dass dies gelingen kann. Bei einem namhaften Süßwarenhersteller wurden im vergangenen Jahr digitale Assistenten strukturiert eingesetzt. Dadurch konnten Arbeitsaufträge klar dokumentiert, Probleme rascher gelöst und die Betriebszeit der Anlagen spürbar erhöht werden. Doch für Benedikt Höck, Partner und Head of AI bei KPMG, ist damit nur der Anfang gemacht. Nun entscheidet sich, ob Unternehmen den nächsten Schritt gehen. „Wer jetzt nicht in Umsetzung und Skalierung investiert, riskiert vom Markt abgehängt zu werden“, mahnt er in der Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2025“.

4. Technischer Fortschritt schneller als die Umsetzung
Laut einer Untersuchung von Lenovo befindet sich eine signifikante Mehrheit der KI-Anwender erst in der Anfangs- oder Pilotphase. 43 Prozent planen in GenAI zu investieren. Auch das Analystenhaus IDC verzeichnet eine Vielzahl an Tests und Machbarkeitsstudien. Die Technologie von großangelegten Business-Software-Lösungen ist da schon zwei Schritte weiter. Sie integrieren mehr und mehr proaktive KI-Agenten. Diese werden zunehmend eigenständig Aufträge ausführen, vernetzt zusammenarbeiten und ganze Produktions- oder Wartungsabläufe steuern. Gartner sagt vorher, dass bis 2026 bereits 40 Prozent der Unternehmensanwendungen über aufgabenspezifische KI-Agenten verfügen. Damit diese den gewünschten Nutzen entfalten, müssen sie exakt auf die jeweiligen Anforderungsprofile zugeschnitten sein. Deshalb empfiehlt es sich, Agenten selbst zu entwickeln. Möglich ist das inzwischen mit Agentic AI Studios, ganz ohne Programmierkenntnisse.

5. KI-Kompetenz als Arbeitgeber-Aufgabe 
Viele produzierende Hersteller beklagen einen Mangel an Personal mit KI-Qualifikation. Mehr als 40 Prozent sehen hier laut einer Studie von Revalize einen Engpass. Dennoch plant „nur jedes vierte Unternehmen … in den nächsten zwölf Monaten, aktiv in den Aufbau interner KI-Kompetenzen und Schulungsprogramme zu investieren“, stellt das KPMG-Papier „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2025“ fest. An dieser Stelle ergibt sich ein klares To-do für die Fertigungsbranche. Hilfe kommt dabei von unvermuteter Seite: Denn künstliche Intelligenz kann auch bei dieser Mammutaufgabe unterstützen. Sie fungiert als persönlicher Coach gezielt dort, wo Menschen noch nicht genug wissen, zum Beispiel mit personalisierter Einarbeitung, passgenauen Schulungen und gesicherten Lerntransfers durch Quiz-Formate.

Augmentir
© Russ Fadel, CEO von Augmentir

6. Menschliche Arbeit definiert sich neu
Mensch und KI rücken 2026 enger zusammen. Die Rollenverteilung stellt sich dabei klarer dar als im Vorjahr: Teams bestehen künftig aus Mitarbeitenden sowie aus KI-Assistenten und Agenten. Während die Algorithmen Routineaufgaben übernehmen, treten Menschen als Supervisoren, Entscheider und kreative Problemlöser auf. Als „Human in the Loop“ tragen sie eine zunehmend höhere Verantwortung. Dass dies nicht ohne Folgen bleibt, darauf weist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hin. Sie erklärt, dass durch den KI-Einsatz verstärkt psychische Belastungen auftreten können. Der Frage, wie ein menschengerechtes Miteinander von Belegschaft und Technologie möglich ist, müssen sich 2026 daher alle Unternehmen stellen.

7. Comeback der Augmented Reality 
 Zu aufwändig und zu umständlich: Augmented Reality (AR) fiel nach einem kurzen Boom in einen Dornröschenschlaf. Jetzt feiert die Technologie ein Revival – in speziellen Einsatzbereichen, kombiniert mit KI. Wenn Menschen eine Aufgabe das erste Mal ausführen, zeigt industrielle AR präzise, wo angepackt, kontrolliert oder bedient werden muss. Sie lotst unerfahrene Arbeitskräfte sicher durch alle Schritte und Handgriffe: sei es beim Umrüsten, beim Lockout-Tagout (LOTO) oder bei komplexen Montagen. Russ Fadel, ein Pionier auf dem Gebiet, betont: „AR baut heute auf nativer KI auf, um Mitarbeitenden dynamisch immersive Anleitungen an die Hand zu geben. Sobald jemand seinen Job jedoch beherrscht, benötigt er die AR-Hilfe kaum noch.“

8. Der Kampf gegen Schatten-KI beginnt
 
Last but not least bringt das Personal seine Arbeitgeber immer mehr in Zugzwang, ihm KI-basierte Werkzeuge bereitzustellen. Laut Bitkom gehen 4 von 10 Unternehmen davon aus, dass Mitarbeitende private KI-Tools am Arbeitsplatz einsetzen. Um dem Wildwuchs vorzubeugen, hat knapp ein Viertel bereits Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz aufgestellt. Dass Guidelines alleine nicht helfen, hat jedoch vor Jahren das Thema „Nutzung eigener Handys für berufliche Aufgaben“ gezeigt. Das Rezept gegen Schatten-KI ist vielmehr eine Kombination aus Governance und einer fortschrittlichen, bedarfsgerechten Ausstattung. Wenn die bereitgestellten Technologien – etwa für Connected Worker – im Betrieb besser unterstützen als eine Feld-Wald-und-Wiesen-App, dann entzieht das dem unkontrollierten Gebrauch privater Lösungen schnell den Grund.

Fazit
 Die vorgestellten Trends zeigen: Die letzten Jahre haben technologisch gewaltige Veränderungen hinsichtlich generativer KI, KI-Assistenten und KI-Agenten gebracht. Weitere massive Technologiesprünge sind für 2026 nicht in Sicht. Zudem ist der Bedarf an Regeln und ethischen Grenzen erkannt. Nach dem Hype kann es nun in die konkrete Umsetzung gehen. Eine Chance, die deutsche Unternehmen mit Blick auf den internationalen Wettbewerb nutzen sollten. „Dabei liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht nur in Investitionen und Tools, sondern auch in der Art und Weise, wie wir als Menschen mit den neuen Möglichkeiten umgehen“, betont Augmentir-CEO Russ Fadel.

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