28.05.2026 • Praxisberichte

Sicherheit und Resilienz als Grundlage der Energiesystemtransformation

Gasspeicher und Windkraftanlagen im Hafengebiet von Hamburg.
© Calado – stock.adobe.com

Die Transformation des Energiesystems stellt neue Anforderungen an Sicherheit und Resilienz. Dr. Kai Holtappels von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) analysiert, welche technischen, regulatorischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen Wasserstoffnetze, LNG-Terminals und dezentrale Infrastrukturen mit sich bringen.

Autor: Dr. Kai Holtappels, Leiter des Fachbereichs „Sicherheit von Energieträgern“ und Sprecher des Kompetenzzentrums H2Safety@BAM, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Wie Safety, Security und neue Infrastrukturkonzepte die Energiewende absichern.

Der Umbau unseres Energiesystems hin zur Klimaneutralität und weg von fossilen Energien verändert eine historisch gewachsene, hochkomplexe Infrastruktur. Alte und neue Technologien laufen parallel, die Digitalisierung schreitet voran, geopolitische Spannungen nehmen zu und neue Energieträger wie Wasserstoff und Ammoniak kommen hinzu. All das fordert Sicherheit, Schutz und Widerstandskraft des Systems. Forschung, klare Regeln und neue Konzepte für Überwachung und Betrieb schaffen die Grundlage für eine robuste und sichere Transformation.

Deutschland und Europa bauen ein über Jahrzehnte optimiertes, zentralisiertes Energiesystem im laufenden Betrieb um – mit dem Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu beenden. Das Nebeneinander alter und neuer Infrastrukturen erhöht die Komplexität: Systeme müssen weiterhin mit fossilen Energieträgern funktionieren und zugleich Wasserstoff, Ammoniak oder synthetische Energieträger integrieren. Diese Transformation birgt zahlreiche Herausforderungen für die Sicherheit – sowohl im Sinne von Safety (Schutz von Menschen, Umwelt und Sachwerten vor unbeabsichtigten Gefahren) als auch im Sinne von Security (Schutz von Systemen, Anlagen, Infrastrukturen, Informationen und Menschen vor äußeren Angriffen). Trotz des Wunsches, die Transformation zügig voranzutreiben, darf die Sicherheit nicht darunter leiden.
Energiesysteme zählen zur kritischen Infrastruktur. Energieversorger und Betreiber dieser Infrastrukturen müssen die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleisten. Die Balance zwischen Umbau und Betrieb erfordert durchdachte Sicherheitskonzepte. Gleichzeitig eröffnet die Transformation die Möglichkeit, neuartige, interdisziplinäre Ansätze und Priorisierungsprozesse anzuwenden. Sie kann nicht linear verlaufen, sondern muss iterativ gestaltet werden. Sicherheitskonzepte müssen laufend angepasst ­werden, da sich technologische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Rahmenbedingungen dynamisch verändern.

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