QR-Code, Asset Administration Shell, digitaler Produktpass – die Prozessindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel in der Gerätedokumentation. Wie Hersteller und Betreiber davon profitieren, welche Rolle die Standards VDI 2770, IEC 61406 und AAS dabei spielen und warum die Verbreitung trotz klarer Vorteile noch in den Kinderschuhen steckt, erläutert Marcel Dieterle, Produktmanager Digital Solutions bei Vega Grieshaber, im Interview mit Etwina Gandert. Außerdem: Wann gilt der digitale Produktpass der EU auch für Feldgeräte – und ist die Branche vorbereitet?
Interview mit Marcel Dieterle, Product Owner für digitale Lösungen bei Vega Grieshaber

Überquellende Aktenordner oder vollautomatisierte Datenpakete, die im Kundensystem landen, bevor das physische Gerät eintrifft – die Bandbreite in der Prozessindustrie ist groß. Marcel Dieterle erklärt, wie Vega die Gerätedokumentation digitalisiert, was die Standards VDI 2770, IEC 61406 und Asset Administration Shell leisten – und was der Digitale Produktpass der EU für Hersteller und Betreiber bedeutet.
CITplus: Sind überquellende Aktenordner und aufwendige Papierdokumentation pro Messstelle nach Ihrem Eindruck noch Alltag in der Prozessindustrie?
Marcel Dieterle: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Viele unserer Kunden, egal ob groß oder klein, haben mittlerweile auf digitale Dokumentation umgestellt. Es gibt aber nach wie vor Betreiber, die aus regulatorischen Gründen auf Papier angewiesen sind. In manchen Exportländern gilt die gedruckte Betriebsanleitung als Produktpass – ohne sie kann das Gerät nicht eingeführt werden – die Ukraine ist ein Beispiel dafür. Daneben gibt es sicherheitsrelevante Zulassungen, bei denen Dokumente weiterhin in gedruckter Form dem Produkt beiliegen müssen. Als weltweiter Messtechnikhersteller sind wir in sehr vielen Branchen tätig, und auch da sind große Unterschiede erkennbar.
Wir haben uns über die letzten Jahre an diese Vielfalt angepasst: Mit jedem Auftrag versenden wir automatisch einen Link, über den der Besteller Auftragspositionen, einzelne Geräte und Dokumentarten auswählen und als Zip-Datei herunterladen kann. Darüber hinaus bieten wir über unser Kundenportal MyVega dauerhaften Zugriff auf die gesamte Dokumentation aller erworbenen Produkte. Für mehr Automatisierung nutzen größere Kunden unsere API-Schnittstellen und rufen Produktdaten und Dokumentation vollautomatisch ab, sodass die Unterlagen im Kundensystem liegen, bevor das Gerät physisch eintrifft.
Klingt nach einer eleganten Lösung – warum braucht es dann überhaupt neue Standards wie die Asset Administration Shell?
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