Digitaler Zwilling und Asset Administration Shell (AAS) sind zentrale Konzepte für Industrie 4.0. Während der digitale Zwilling eine virtuelle Abbildung eines Assets darstellt, sorgt die AAS für standardisierte, interoperable Datenstrukturen. Sie bildet die Basis für Anwendungen wie den digitalen Produktpass (DPP), der ab 2027 verpflichtend wird und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus schafft.
Autor: Benedikt Rauscher, Pepperl+Fuchs
Wie sich digitaler Zwilling und AAS ergänzen, welche Konzepte dahinterstehen und warum der digitale Produktpass neue Standards setzt.
Neben der künstlichen Intelligenz wird momentan der digitale Zwilling als „Sau durchs Automatisierungs-Dorf“ getrieben. Und das, obwohl der Begriff nun schon viele Jahre bekannt ist: Eine erste Anwendung gab es schon 1970 bei der NASA im Projekt Apollo 13, seinerzeit wurde eine digitale Kopie der Raumkapsel am Boden mit den Live-Daten des realen havarierten Fahrzeugs aus dem All „gefüttert“. Mit Hilfe dieser Simulation wurde damals erfolgreich eine Strategie zur hochdramatischen Rettung der Kapsel samt Besatzung erarbeitet.
Ausgesprochen positiv besetzt wird der Begriff „digitaler Zwilling“ – nicht nur in der Automatisierung – inzwischen beinahe schon inflationär für so gut wie jede virtuelle Abbildung von physisch realen Vorgängen verwendet. Stadtplanung, Logistik oder Medizin sind Beispiele für andere Bereiche, in denen ebenfalls digitale Zwillinge genutzt werden, um reale Entwicklungen zu simulieren, daraus Vorhersagen zu generieren und schlussendlich wiederum Maßnahmen daraus abzuleiten.
Zurück in der Automatisierung ist festzustellen, dass die meisten mehr oder weniger auf dem Prinzip des digitalen Zwillings basierenden Lösungen nicht interoperabel mit anderen Lösungen sind. Die Zwillinge bleiben sozusagen innerhalb ihrer Familien gefangen, weil mit dem Begriff lediglich eine Vorgehensweise benannt wird, ohne diese genauer zu spezifizieren oder gar zu standardisieren.
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