Wasserstoffmarkt treibt Nachfrage nach Armaturen und neuen Ventiltechnologien
Grüner Wasserstoff wird den Energiemix bis 2050 stark prägen und eine hohe Nachfrage nach Armaturen und Ventilen auslösen. Neue Projekte wie GET H2 und Hyperlink zeigen den wachsenden Bedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hersteller entwickeln dafür widerstandsfähige, digital vernetzte und hocheffiziente Ventile für hohe Drücke und tiefe Temperaturen.
Der Ausbau der H₂-Infrastruktur erfordert hohe Investitionen und neue Lösungen für Speicherung, Transport und Verarbeitung.

Die Zukunft gehört dem grünen Wasserstoff. Er wird den Energiemix prägen und bis 2050 mit über 500 Mio. Tonnen einen Marktanteil von 85 % erreichen, so eine Studie von Deloitte. Gleichzeitig erfordert der Aufbau der Wasserstoffversorgung Investitionen von rund 9,4 Bil. Dollar. Zulieferer von Komponenten für die H₂-Wertschöpfungskette können mit Großaufträgen rechnen. Besonders gefragt: unzählige Ventile, darunter viele „smarte“ Armaturen. Dank der fortschreitenden Digitalisierung ist diese Herausforderung für die Branche lösbar.
Um die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, spielt der Wasserstoffmarkt eine Schlüsselrolle. Jährlich fließen bis dahin etwa 375 Mrd. Dollar in diesen Bereich, prognostiziert die Studie „Green hydrogen: Energizing the path to net zero“ des Deloitte Center for Sustainable Progress. 42 % der Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird die Industrie stellen, 36 % der Verkehr. Insgesamt könnten bis 2050 bis zu 85 Gigatonnen CO₂ eingespart werden – eine verlockende Perspektive.
Laut Deloitte-Studie werden bis 2050 vier Regionen 46 % der weltweiten Wasserstoffproduktion und 90 % des Handels abdecken: Nordafrika (44 Mio. t), Australien (16 Mio. t), Nordamerika (24 Mio. t) und der Nahe Osten (13 Mio. t). „Die wichtigsten Importzentren werden Europa, Japan, Korea und Indien sein, die zusammen über 80 % des Welthandels auf sich vereinen. “
Nachfrage nach Armaturen für neue Projekte
Der steigende Bedarf an Wasserstoff zeigt sich bereits in der wachsenden Nachfrage nach Armaturen. Hartmann Valves liefert rund 1.400 Kugelhähne in den Druckstufen PN 16, PN 100 und PN 250 an das Projekt GET H2 Nukleus in Gronau-Epe. Die Kugelhähne, mit Nennweiten von DN 25 bis DN 300, wurden speziell für die Anforderungen der Wasserstoffspeicherung entwickelt.
Im Projekt GET H2 Nukleus entsteht zwischen Lingen und Gelsenkirchen eine der ersten öffentlich zugänglichen Wasserstoffinfrastrukturen Deutschlands. Dafür wird eine bestehende, solegefüllte Kaverne der RWE Gas Storage West GmbH für die Wasserstoffspeicherung umgerüstet. Zudem werden neue Anlagen an der bestehenden Verdichter- und Entnahmestation errichtet und die Kaverne in den Speicherbetrieb eingebunden.
Neue Wasserstoffprojekte entstehen in rasantem Tempo. Eines davon ist „Hyperlink“, eine 660 Kilometer lange H2-Pipeline des Netzbetreibers Gasunie. Hyperlink wird Teil des European Hydrogen Backbone und umfasst fünf Teilprojekte. Der erste Abschnitt soll 2026 fertig sein, bis 2030 sollen Industriekunden und Cluster angeschlossen werden. „Wir werden Wasserstoff importieren oder ‚anlanden‘ können, Speicher werden Teil der Infrastruktur, und es wird grenzüberschreitende Verbindungen zu den Niederlanden im Westen und Dänemark im Norden geben“, erklärt Gasunie. Dabei kommen bestehende Gasnetze und neue Infrastrukturen zum Einsatz. Die RMA Gruppe liefert hierfür Armaturen und Messgeräte.

Höhere Effizienz bei höheren Drücken
Herose entwickelt neue Ventilserien, die speziell für flüssigen Wasserstoff bei -255 °C und komprimierten Wasserstoff bis 1.000 bar geeignet sind. Die Sicherheitsventile schützen Menschen und Geräte, indem sie bei unvorhergesehenem Überdruck den Wasserstoff sicher in ein Entlüftungssystem ablassen. Diese Ventile kommen sowohl in Hochdruck- als auch in Flüssigwasserstoffsystemen zum Einsatz, die meist bei moderatem Druck arbeiten.
Auch Müller Co-ax liefert Ventile für Produktion, Transport und Verteilung von Wasserstoff entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Armaturentechnik wandelt sich: „Um Lösungen in der Wasserstoffindustrie zu etablieren, müssen sie effizienter werden“, erklärt das Unternehmen. Höherer Druck steigert oft die Effizienz, da mehr Wasserstoff transportiert werden kann. Das KX1000-Ventil ist für Drücke bis 1.000 bar ausgelegt und bietet eine hohe Durchflussrate. „Damit verkürzt sich der Betankungsprozess im Vergleich zu herkömmlichen Ventilen deutlich“, so das Unternehmen.
Neue Ventiltypen für neue Anwendungen
Auch Goetze Armaturen fokussiert sich auf den Wasserstoffmarkt. Das Unternehmen liefert Sicherheitsventile, Druckminderer und Überströmventile für nahezu alle Bereiche der Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Elektrolyse über die Speicherung bei hohem Druck oder tiefkalter Verflüssigung bis hin zur Nutzung beim Anwender. „Wir regeln den Druck vor der Elektrolyse, sichern den Speisewasser-Pumpenkreislauf und schützen Tanks vor unzulässigem Überdruck“, erklärt Goetze.
Um Wasserstoffversprödung zu vermeiden, setzt Goetze auf Edelstähle mit hohem Nickelanteil. „Bei Dichtungen legen wir großen Wert auf die Einhaltung bestimmter Standards“, betont das Unternehmen. Jede Dichtung wird speziell geprüft.
Neue Anwendungen erfordern angepasste Betriebsbedingungen und oft neue Ventiltypen. Herose sieht künftig Bedarf an größeren Ventilen, um höhere Durchflüsse zu bewältigen. Das Unternehmen hat zudem Ventilmodule entwickelt, die Ventile und Rohrleitungen kombinieren, sowie vakuumisolierte Ventile, die direkt an Flüssigwasserstofftanks und -anhängern eingesetzt werden können.

Neue Herausforderungen und Chancen
Die grüne Wasserstoffwirtschaft wird dezentraler und flexibler auf die schwankende erneuerbare Energieerzeugung reagieren müssen. „Diese Herausforderung lässt sich nur mit maximaler Digitalisierung und intelligenten Systemen kosteneffizient bewältigen“, erklärt der Deutsche Wasserstoff-Verband. Künstliche Intelligenz werde neben der Digitalisierung „unverzichtbar für den Hochlauf und die Etablierung der grünen Wasserstoffwirtschaft“. Die Armaturenbranche ist darauf vorbereitet.
Der Wasserstoffboom wird die Nachfrage nach Armaturen weiter steigern. „Sobald die Elektrolyseurenbranche erste Großanlagen in Betrieb nimmt, werden große Volumenströme zu bewältigen sein“, prognostiziert die Waldemar Pruss Armaturenfabrik. Die Ventilbranche sieht dieser Herausforderung optimistisch entgegen.
Trends und Innovationen der Armaturenindustrie präsentiert die Valve World Expo vom 1. bis 3. Dezember 2026 in Düsseldorf.










