07.03.2025 • Praxisberichte

Die Chemie wird nachhaltiger: Unternehmen setzen auf Bioökonomie

Die Bioökonomie kommt schleichend – doch sie kommt! Im Schatten von Wasserstoff und Elektrifizierung wächst der Anteil biobasierter Produkte in der chemischen Industrie. Auch der Einsatz biotechnologischer Verfahren hat zugenommen. Einige Hürden sind noch zu beseitigen, denn die nächsten Verfahren stehen schon in den Startlöchern. Unternehmen wie Covestro und Evonik investieren Millionen in biobasierte Verfahren und Produkte, um die chemische Industrie nachhaltiger zu gestalten.

Autorin: Dr. Kathrin Rübberdt, Dechema

Viele Unternehmen setzen auf Biomasse oder biotechnologische Verfahren, um nachhaltiger zu produzieren und die chemische Industrie zu revolutionieren.

Die Bioökonomie kommt schleichend – doch sie kommt! Im Schatten von Wasserstoff und Elektrifizierung wächst der Anteil biobasierter Produkte in der chemischen Industrie. Auch der Einsatz biotechnologischer Verfahrensschritte hat zugenommen. Einige Hürden sind noch zu beseitigen, denn die nächsten Verfahren stehen schon in den Startlöchern.

Welchen Anteil macht die Bioökonomie an der derzeitigen Produktion aus? So einfach die Frage klingt, so schwer lässt sie sich beantworten. Es fängt schon mit der Definition an: Was fällt unter Bioökonomie? Ermittelbar ist der Anteil nachwachsender Rohstoffe an der Chemieproduktion – laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe waren das im Jahr 2022 rund 2,4 Mio. t oder 15 % der eingesetzten organischen Rohstoffe. Welche Wertschöpfung durch den Einsatz biotechnologischer Prozesse entsteht, ist dagegen kaum zu beziffern. Biocom ermittelt jedes Jahr die Kennzahlen der Biotechnologiebranche und kommt dabei für 2023 auf 502 Mio. EUR Umsatz für Unternehmen mit dem Schwerpunkt industrielle Biotechnologie (ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr um 16 %) und 2,55 Mrd. EUR für nicht-spezifische biotechnologische Dienstleistungen (dazu gehören Dienstleister, aber auch Geräte- und Reagen­zienhersteller). Die Umfrage bezieht jedoch nur Firmen ein, die von der OECD als „dedizierte“ Biotech-Unternehmen definiert werden; im Bereich der industriellen Biotechnologie-Unternehmen sind das in Deutschland 110. Was dagegen in den Reaktoren und Fermentern der Chemiefirmen hergestellt wird, entzieht sich der Statistik – auch deshalb, weil in diesem Bereich chemische und biotechnologische Produktionsschritte häufig miteinander kombiniert werden.


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