Zukunftsinvestitionen

Auf dem Deutschen Ingenieurtag beschäftigt sich die Breakout Session „Industry4Climate“ mit den Konzepten, wie eine treibhausgasneutrale Chemie bis 2050 zu erreichen ist.

Enrico Gundermann und Luigi Marano, beide Chemikanten, geben per Funkgerät der...
Enrico Gundermann und Luigi Marano, beide Chemikanten, geben per Funkgerät der Messwarte Betriebs­parameter von den Kontrollpunkten an der Wasserstoffanlage durch. Diese Werte werden in der Messwarte abgeglichen und protokolliert. © BASF

„Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist sich ihrer Verantwortung für Klima, Umwelt und Gesellschaft absolut bewusst. Die Branche bekennt sich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und zum Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050. Über die Teilnahme am EU-Emissionshandel sowie durch ihre Produkte – bspw. Silizium für Fotovoltaik, Rotorblätter für Windkraft, Dämmung, Leichtbau – trägt sie bereits aktiv zum Klimaschutz bei. Durch effizientere Prozesse und eine CO2-ärmere Energieversorgung konnte die deutsche Chemie von 1990–2018 die Treibhausgasemissionen aus Energieeinsatz und Prozessen bei einem Produktionsanstieg von 76 % um 51 % senken. Um eine Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen, genügen weitere Effizienzverbesserungen allein aber nicht.

Im Herbst 2019 hat der VCI in einer Roadmap gezeigt, dass die Chemie bis 2050 tatsächlich treibhausgasneutral produzieren kann. Dafür sind erhebliche zusätzliche Investitionen in neue Technologien und Anlagen notwendig. Der VCI erarbeitet gemeinsam mit dem VDI konkrete Konzepte, wie die Chemie und weitere Sektoren den Weg zur Treibhausgasneutralität gehen können und die in der Roadmap aufgezeigten Voraussetzungen erfüllt werden. Stakeholder aus Chemie, Energiewirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau sowie Kreislaufwirtschaft sollen gemeinsam mit Stake­holdern aus der Politik und NGOs Vorschläge und Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Roadmap entwickeln. Die Chemie hat sich also bereits auf den Weg gemacht, die langfristigen Klimaziele zu erfüllen.

Durch neue Prozesstechniken und Katalysatoren kann der CO2-Fußabdruck bei der...
Durch neue Prozesstechniken und Katalysatoren kann der CO2-Fußabdruck bei der Olefin-­Herstellung um bis zu 50% reduziert werden. Das benötigte Synthesegas besteht aus einer Mischung von Kohlenmonoxid und Wasserstoff, dessen Zufuhr genau gesteuert wird. © BASF

Wasserstoff mit Schlüsselrolle für treibhausgasneutrale Chemie

Neben den Technologien braucht es für eine treibhausgasneutrale Chemie auch noch weitere wichtige Rahmenbedingungen. So sind große Mengen an Wasserstoff nötig. Heute dienen vornehmlich fossile Quellen zur Bereitstellung von Wasserstoff in der Grundstoffchemie. Durch die Ersetzung und treibhausgasneutrale Nutzung dieser fossilen Grundlage wird Wasserstoff perspektivisch zu einer klimaschonenden Basischemie wesentliche Beiträge leisten. Voraussetzung dafür ist aber Technologieoffenheit: Damit genügend Wasserstoff zur Verfügung steht, muss jede Technologie in Betracht kommen, die eine treibhausgasarme Wasserstofferzeugung ermöglicht.

Momentan hält der Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa nicht Schritt mit dem zukünftigen Bedarf der Industrie. Europa hat sowohl beim Thema Wasserstoff als auch beim Ausbau der Erneuerbaren noch Nachholbedarf. Allein die deutsche chemische Industrie braucht für eine vollständige Vermeidung ihrer Treibhausgase bis 2050 über 600 Terawattstunden grünen Strom zu einem Strom-Endpreis in Höhe von 4 ct/ kWh, einen erheblichen Teil davon zur Herstellung von Wasserstoff. Ein zügiger Aufbau der nötigen Infrastrukturen ist daher unabdingbar, damit Wasserstoff auch zur Herstellung chemischer Produkte genutzt werden kann.“

Die im September 2020 in Betrieb genommene Versuchsanlage im Chemiepark Marl...
Die im September 2020 in Betrieb genommene Versuchsanlage im Chemiepark Marl nutzt CO2 und Wasser zur Herstellung von Chemikalien. Sie besteht aus einem CO-Elektrolyseur, den Siemens Energy ­entwickelt hat, sowie einem Wasserelektrolyseur und einem Bioreaktor von Evonik. Die Versuchsanlage ist ein wesentlicher Bestandteil der Forschungsprojekte Rheticus I und II, die vom Bundesministerium für ­Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. © Evonik Industries AG

Der Deutsche Ingenieurtag

Alle 2 Jahre veranstaltet der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) den Deutschen Ingenieurtag. Hier treffen Mitglieder und Gäste des VDI auf Expert*innen und Redner*innen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um aktuelle Themen zu diskutieren. Im Jahr 2021 wird der 30. Deutsche Ingenieurtag am 20. Mai 2021 ab 14 Uhr als digitale Veranstaltung durchgeführt und ganz im Zeichen des Klimaschutzes stehen. Das Programm bilden eine hochkarätige Podiumsdiskussion und Gespräche zu den Herausforderungen, die sich aus dem 1,5°-Klimaziel ergeben. Begleitend dazu gibt es vertiefende Breakout Sessions sowie die Möglichkeit zu virtuellem Networking im Experience Café.

Breakout Session „Industry4Climate“

Der Autor des Beitrags, Dr. Wolfgang Große Entrup, gibt beim 30. Deutschen Ingenieurtag als einer der Referenten der Breakout Session „Industry4Climate“ ab 16:15 Uhr einen Impuls für eine treibhausgasneutrale Chemie bis 2050. Unterstützt wird er dabei von den VCI-Expert*innen, Dr. Alexander Kronimus und M.Sc. Jenna Schulte.

Dr. Markus Steilemann, CEO von Covestro und VCI-Vizepräsident, hält das Grußwort und vertritt die chemische Industrie auch bei der plenaren Podiumsdiskussion.

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Wolfgang Große Entrup ist promovierter Agraringenieur und seit 2019...
Wolfgang Große Entrup ist promovierter Agraringenieur und seit 2019 Hauptgeschäftsführer sowie seit 2020 Präsidiumsmitglied des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Vor seinem Wechsel zum VCI war er in verschiedenen leitenden Funktionen bei Bayer und BASF tätig.

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